Holzkohle selber machen

Als letzte Woche endlich der Sampada Pyrokocher eintraf, gab es nichts eiligerer zu tun, als ihn gleich auszuprobieren. Hier meine Erfahrungen dazu:

Holzvergaserofen

Sampada PyrokocherIn einem Beitrag im EM-Journal las ich zum erstenml von Terra Preta, der schwarzen, äußerst fruchtbaren Erde, die in Mittelamerika aus der Zeit früher Generationen gefunden wurde. Die Erde ist mit Holz angereichert, und man geht davon aus, dass Holzkohle der Ursprung dafür ist. Nach langen Recherchen traf ich auf das Thema der Holzvergasung und fand schließlich in Indien einen Hersteller, der einer Holzvergaserofen anbietet. Meine Importversuche scheiterten an den hohen Transportkosten, und so freue ich mich riesig, dass Norbert Wielgosch dies in die Hand genommen hat, und nun in seinem Online-Shop unter sampada.de diesen Ofen und weitere Geräte desselben Herstellers auch für Deutschland anbietet.

Ziele

Neben dem spannenden Thema, Holzkohle selbst herzustellen und damit eine Basis für die Herstellung von Terra Preta zu haben, suche ich nach einer Lösung, im Freien zu kochen. Es geht nicht um vollständige Menüs sondern eher um das Färben von Wolle, das Entsaften von Obst, oder das Kochen von Roter Beete oder Pansen, die in der Küche für schlecht Luft sorgen würden.

Der Pyrokocher

Vergaser KesselEr besteht aus dem inneren Brennkessel, der in der Mitte ein nach oben geschlossenes Rohr mit Düsenöffnungen unter dem oberen Rand besitzt. Später zeigt sich, dass durch diese Düsen das Holzgas getrieben wird und ähnlich wie beim Gasherd verbrennt.

Ein Stahlzylinder wird nach dem Anbrennen über den Kessel gestülpt und nach oben mit einem Stahlring und den Auflagen für den Topf abgeschlossen.

 

Aufstellen des Kochers

Luftdurchlass von untenWegen der zahlreichen Warnungen in der Anleitung stellte ich den Kocher auf den Feuerplatz direkt in die Asche. Das erwies sich jedoch schnell als ungünstig, weil die Füße dort einsinken und so keine Luft mehr unter dem Kocher zirkulieren kann. So habe ich bei einem nächsten Versuch eine Steinplatte als Unterlage benutzt.

 

Brennmaterial

KleinholzZunächst verwendete ich kurze Astholzstücke (ca. 10 bis 15 cm lang), die ich locker im Kessel aufschichtete. Der Brennvorgang war okay, die Vergasung setzte schnell ein, aber die Brenndauer war recht kurz. Ich vermute, dass das recht sperrige Material einfach zu  große Lufträume verursachte und den Brennvorgang dadurch zu sehr beschleunigte.

KiefernzapfenHackspäneFür die nächsten Versuche werden nun kleinere Holzstücke und Kiefernzapfen gesammelt, die allerdings nach der langen Regenperiode erst noch trocknen müssen.

 

Das Anzünden

Hierzu verwende ich Bio-Kaminanzünder. Ein Klötzchen wird angezündet und oben auf das Brennmaterial gelegt. Das ist so vorgesehen, da die Verbrennung von oben nach unten erfolgt. Schon nach wenigen Minuten haben die ersten Hölzer Feuer gefangen und die Stahlhülle kann aufgesezt werden. Erst jetzt ist eine Voraussetzung erfüllt, dass die entstehenden Gase wieder nach oben geführt werden und dort verbrennen können. Allerdings habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Vergasung noch besser in Gang kommt, wenn bereits ein Topf auf dem Kocher steht, also ein gewisser Abschluss nach oben gegeben ist.

Die Vergasung

Um diesen Prozess optisch besser darstellen zu können, habe ich den Kochtopf kurz vom Kocher entfernt. Die Gasverbrennung habe ich an drei Stellen beobachten können: an den Löchern im unteren Bereich des Brenn-Kessels, wobei diese bei einer dichteren Bestückung mit Brennmaterial sicherlich eher zum Austritt des Gases gedacht sind, an den Düsenöffnungen im oberen Berich des Innenzylinders  und zwischen dem oberen Rand des Brennkessels und der Außenhülle. Ich gehe aber davon aus, dass mit einer anderen Bestückung mit Brennmaterial hier ganz andere Erfahrungen zu machen sind.

Der Kochtopf

Zunächst mochte ich keinen guten Kochtopf aus der Küche verwenden und fand auf dem Dachboden einen 4-Liter-Emaille-Topf mit leicht rundem Boden. Er passte so gerade auf die drei Halter. Das Wasser darin wurde sehr schnell heiß, aber die Flammen im Kocher ließen schon nach, so dass ich Brennmaterial durch den Spalt zwischen Topf und Kocher nachlegen musste. Dieser Versuch endete schnell damit, dass der Kochtopf umkippte und das Wasser die Verbrennung jäh beendete.

Also nahm ich doch den guten Suppentopf aus der Küche. Zwei Liter Wasser kochten schon nach 14 Minuten. 7 Liter Wasser kamen nicht ganz zum Kochen, was ich persönlich sehr vorteilhaft finde. Man kann die Hitze beim Pyrokocher nicht regulieren. Um aber Wolle zu färben, darf das Wasser nicht kochen. Wenn sich also die Temperatur ür die Wassermenge regulieren lässt, so ist das eine gute Alternative.

Die erste Holzkohle

Trotz der kurzen Brenndauer und der unerwartet stürmischen Vergasung blieben immerhin noch einige Holzkohlestückchen übrig. Ich habe sie aus dem Brennkessel auf den Boden gekippt und mit Wasser gelöscht. Das Ergebniss kommt daher, wie echte Holzkohle.

 

Ausblick

Meine nächsten Versuche mit anderem Brennmaterial werden sicherlich einige Aufschlüsse geben was Hitze, Vergasungsprozess und Brenndauer angeht. Ich werde bei Gelegenheit dazu berichten.

 

 

 

15 Gedanken zu „Holzkohle selber machen“

  1. Hallo Ruth,
    es wird Zeit, dass ich endlich mal DANKE für diesen guten Bericht sage.
    Auch ich probiere aus, lerne dazu.
    Es ist ganz toll, dass Du deine Erfahrungen mit dem Sampada so professionell beschreibst und lesenswerte Artikel daraus machst. Da kommt ganz klar der Profi durch.
    Auf weitere Erfahrungsberichte bin ich schon ganz neugierig.

    Liebe Grüße,
    Norbert

    1. Danke, Stefan, für das Lob. Und: ja, Du hast recht, ich hätte Dich dazuholen sollen. Allerdings steht ja noch der Versuch mit den Holzschnitzeln aus, an den ich große Erwartungen knüpfe. Also: Du bist herzlich eingeladen, mitzumachen. Oder Du leihst Dir das Teil einfach mal aus und berichtest dann über Deine Erfahrungen.
      Viele Grüße
      Ruth

  2. Hallo Norbert,
    heute habe ich den Sampada Kocher bekommen,vielen Dank!
    Habe ihn natürlich gleich ausprobiert und es funktioniert wirklich prima. Nur beim anheizen muss ich noch etwas an Erfahrung sammeln. Da ich eine Holzwerkstätte habe, fallen bei mir viele Hobelspäne an und da habe ich oben ein bisschen viel drauf gepackt. Auch dir Ruth, vielen Dank für den tollen Bericht. Ich melde mich wieder.
    Gruß Manfred

  3. Wo kann ich den Sampada Pyrokocher kaufen und was kostet er?
    Danke für den tollen Bericht,
    Herzliche Grüße
    Kerstin

    1. Hallo Kerstin, freut mich, dass Dir der Bericht gefallen hat. Sobald es draußen wieder angenehmer wird, kommen weitere Erfahrungsberichte mit anderen Brennmaterialien. Wäre schön, wenn Du auch einen hast und uns an Deinen Erfahrungen teilhaben lassen willst. Schau doch mal im Online Shop von Norbert unter sampada.de

  4. Sehr interessant, vielen Dank!
    Ich überlege, mir diesen Sampada zu kaufen, habe ein wenig Sorge, dass er nach kurzer Zeit „kaputtbrennt“. Gibt es da schon Erfahrungen, kurz also: Lohnt sich die Anschaffung?
    Meine Idee ist, ihn mit Hackschnitzeln zu füllen und in unseren Kamin zu stellen, quasi als kleine Zusatzheizung, könnte das wohl funktionieren oder gibt es da Bedenken?

    1. Hallo Martin,
      danke für Deine Fragen, die bestimmt auch andere interessieren.
      Dass der Sampada kaputt brennt, kann ich mir beim besten Willen ich nicht vorstellen. Der Behälter, in dem die Verbrennung stattfindet, scheint mir einfach viel zu dick dazu.
      Was das Heizen im Kamin angeht, da habe ich schon so meine Zweifel. Wir haben hier zu Hause auch einen offenen Kamin mit einer schlechten Heizleistung. Der Zug ist einfach so stark, dass die ganze Hitze im Nu durch den Schornstein geht. Da stelle ich mir vor, dass dieses Phänomen unerheblich von der Heizquelle ist. Wenn wir hier zu Hause den Kamin nutzen, profitieren wir nur von einem Rest Strahlungswärme, die das Holzfeuer liefert. Von der Konstruktion her liefert der Sampada eher wenig Strahlungshitze zu den Seiten. Insofern ist er also eher darauf optimiert, die meiste Hitze nach oben abzugeben, dorthin, wo gekocht wird.
      Aber vielleicht mache ich mir ja auch völlig falsche Vorstellungen von Deinem Plan. Wenn Du magst, beschreibe gerne genauer, was Du vor hast.
      Viele Grüße
      Ruth

      1. Vielen Dank für die Antwort.
        Ich denke, ich werde mir also nächstens einen „Sampada“ zulegen und dann Erfahrungen sammeln.
        Werde dann gerne berichten.
        Viele Grüße,

        Martin

  5. Hallo Frau Roettges,
    liebe Ruth,

    auch ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit EMa und Terra Preta und schreibe z.Zt. in meinem Blog „erdnah-blog.de“ über meine Erfahrungen. In einem Beitrag über Pflanzenkohle im Garten erwähne ich auch den Sampada-Kocher, mit dem ich selbst Holzkohle hergestellt habe. Auf der Suche nach schönen Bildern fand ich Ihren Beitrag, auf den ich gerne verweise.

    Viel Erfolg weiterhin beim Pyro-Kochen und der Terra-Preta-Erzeugung!

    Ihr Erdnah-Blogger
    Volker

  6. Hallo Ruth!
    Eine wirklich tolle Beschreibung zur Herstellung von Holzkohle.
    Da ich mir für den Garten Terra Preta herstellen möchte, bin ich Deiner Empfehlung gefolgt und hab mir den Holzvergaser
    bestellt.
    Viele Grüße, Dieter

  7. Liebe Sampadafreunde,

    eine kleine grundsätzliche Frage zu diesem Pyrokocher.
    Muss man die glühende Kohle mit Wasser ablöschen damit Kohle übrig bleibt, oder kann ich den Kocher auch einfach von selbst ausgehen lassen, und bleibt dann noch Kohle übrig, oder habe ich dann lauter Asche wegen vollständiger Verbrennung. Ich würde mir gerne so einen Kocher anschaffen, das ist aber nur interessant, wenn ich den nicht ablöschen muss, sonder von selber ausgehen lassen kann und dabei Kohle erhalte.

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